Die Fernsehlandschaft ist voll von Casting-Shows: The Voice of Germany, DSDS und viele mehr. Wir alle kennen die gängigen Formate und als Sänger kommt man an ihnen nicht vorbei. Ich blieb vor Kurzem einmal bei einer Blind Audition von The Voice hängen. Eine technisch brilliante, powervoll klingende Rocksängerin schmetterte gerade lautstark einen Song. Total beeindruckend, was sie draufhatte! Aber ….. keiner der Coaches drehte sich um!

Auf den ersten Blick verwundert, warum eine technisch versierte und offensichtlich sehr routinierte Sängerin nicht eine Runde weiter kam, wurde mir bei genauem Hinsehen – nicht zuletzt durch den aus dem Off eingespielten Kommentar eines Coaches: „Bei mir kam nix an!“ – wieder einmal bewusst, worum es beim Singen und dem Zuhören eigentlich geht.

„Es muss was ´rüberkommen!“

Ob ein Sänger – unabhängig seines Leistungsstandes – beim Publikum gut ankommt oder nicht, ist zu einem sehr großen Teil davon abhängig, ob er es schafft, Emotionen auszudrücken. Erst wenn man die Gefühlswelt, die Seele des Zuhörers berührt, wird man als Künstler auf der Bühne wirklich wahrgenommen. Gut zu singen, reicht nicht aus. Es geht wahrlich nicht nur ums Tönetreffen, wenn man erfolgreich sein möchte!

Natürlich ist es sehr subjektiv, ob einen ein Sänger berührt oder nicht. Dies ist abhängig von den eigenen Vorlieben. Welchen Typ Sänger findet man cool und sympathisch? Den Draufgänger, den Coolen, den Soften? Welche Art von Liedern bevorzugt man? Balladen, schnelle Lieder oder midtempo Songs? Welche Genre gefallen einem? Rock, Pop, Soul, Metal? Und doch kann man durchaus auch recht objektiv einschätzen, ob Gefühle im Song hörbar sind oder eben nicht. Das Publikum ist sich nämlich oft erstaunlich einig: das war super, autenthisch und emotional!

„Was kommt ´rüber?“

Manchmal benötigt ein Sänger aber auch grundlegende Tipps, wie Gefühle in den Song gelangen.

Folgende Stichpunkte sollen zum Nachdenken anregen und können einem als Sänger hilfreich sein, sich selbst zu analysieren:

  • Ein Gefühl muss zum Sänger passen. Man muss die Emotion selbst kennen, fühlen können und erlebt haben. Wenn man voll und ganz in dem Gefühl steckt, ist man am authentischsten.
  • Gefühle haben einen Volume-Regler. Sie können von kaum/schwach bis intensiv/stark ausgedrückt werden. Nutze die ganze Bandbreite!
  • Welches Gefühl vom Sänger am leichtesten und damit am schnellsten ausgedrückt werden kann, hängt vom jeweiligen persönlichen Typ ab (z. B. introvertiert – extrovertiert, weich – hart, sanft/zart – aggressiv etc.). Beginne mit den Emotionen, die dir bekannt sind und erarbeite dir Schritt für Schritt die anderen!
  • Sänger sollten das Gefühl in sich verankern. Es muss etwas mit der eigenen Perönlichkeit zu tun haben. Nur dann kann man es wirklich ernsthaft ausdrücken. Es geht darum, zu „sein“ und nicht „so zu tun“!
  • Gefühle werden im Song unter anderem durch Stimmeffekte hörbar, wie z. B. Hauch, Raspeln, Knarren, Krachen, Vibrato, Kieckser etc. Auf geht´s! Lass krachen!

„Wie kommt das Gefühl in den Song?“

Erinnerungen

Überlege dir, welches Gefühl du mit dem Song verbindest. Was berührt dich daran? Was fühlst du, wenn du den Song hörst? Welche Gedanken verbindest du mit ihm? Wovon handelt das Lied? Kannst du Parallelen zu deinem eigenen Leben herstellen? Entscheide dich, welches Gefühl du mit dem Song vermitteln möchtest und stelle dir ganz konkret Situationen aus deinem Leben vor, die – was die Stimmung betrifft – zu dem Lied passen. Lass vor deinem inneren Auge einen Film aus deinem eigenen Leben ablaufen. Nun kannst du quasi aus deinem eigenen Leben berichten/singen und wirkst authentisch!

Anmoderation/Intro

Nutze die Worte, die du vor deinem Vortrag an das Publikum richtest, um dich auf das Gefühl des folgenden Songs einzustimmen. Dabei bringst du nicht nur dich selbst in die richtige Stimmung, sondern bereitest auch das Publikum auf deinen Vortrag vor. Vor allem bei ruhigen, sensiblen und feinen Songs ist es wichtig, dass du die Aufmerksamkeit des Publikums auf dich fokussierst. Auch das musikalische Intro eines Songes dient immer zur Vorbereitung auf die jeweilige Stimmung für das nächste Lied.

Farben

Aus der Farbtherapie wissen wir, dass Farben eine enorme Bedeutung auf unser Wohlbefinden haben. Stelle dir beim Singen unterschiedliche Farben vor und beobachte, welchen Einfluss diese Vorstellung auf den Klang deiner Stimme hat. Manche Sänger sehen vor ihrem inneren Auge regelrecht ein Meer aus Farben und Formen, wodurch es ihnen gelingt, besonders gefühlvoll zu singen.

Gerüche

Auch Düfte bringen uns unmittelbar und direkt in eine gewisse Stimmung. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich diese Gesetzmäßigkeit zum eigenen Nutzen zu machen. Natürliche Raumsprays aus 100% naturreinen ätherischen Ölen besitzen je nach Inhaltsstoff unterschiedliche Wirkungen (z. B. Lavendel – beruhigend, Zitrone – anregend, Rosmarin – konzentrationsfördernd, Rose – stimmungsaufhellend), welche man sich beim Gesangstraining und beim Auftritt zunutze machen kann.

Ich hoffe, ich konnte dich inspirieren, in Zukunft mehr darauf zu achten, mit Gefühl zu singen. Deine ite.

Weitere Informationen und Tipps bekommst in unseren Workshops. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns dort sehen.

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